Die Antwort des Universums
Etwas zum Thema Vertrauen und Loslassen
Alwine Xenos
9/11/20264 min read


Vor einiger Zeit reiste ich mit drei wunderbaren Freundinnen nach Ibiza. Wie so viele Urlauber zog es auch uns für einen Tag nach Formentera – diese kleine Insel, die aussieht, als hätte jemand ein Stück Karibik mitten ins Mittelmeer gesetzt.
Türkisblaues Wasser, weiße Strände, warme Sonne auf der Haut. Eigentlich der perfekte Ort, um das Leben leicht zu nehmen. Eigentlich!
Wir mieteten uns vier Fahrräder, um die Insel zu erkunden. Vier Freundinnen - Vier Fahrräder - Zwei Fahrradschlösser und irgendwann bemerkten wir, dass einer der Schlüssel verschwunden war.
Nun könnte man meinen, vier erwachsene Frauen würden in einer solchen Situation kurz mit den Schultern zucken und ihren Tag genießen. Doch der Mensch ist ein faszinierendes Wesen. Er kann sich innerhalb weniger Minuten aus einem verlorenen Fahrradschlüssel eine Lebenskrise erschaffen. So auch wir.
Plötzlich kreisten unsere Gedanken. Was, wenn wir die Kaution verlieren? Was, wenn es Probleme bei der Rückgabe gibt? Was, wenn die Fahrräder gestohlen werden?
Rückblickend muss ich darüber lachen. Denn was genau sollte auf einer kleinen, friedlichen Insel mit unseren Fahrrädern geschehen? Aber genau das ist die Natur des Verstandes. Er liebt Probleme und wenn gerade keine vorhanden sind, erschafft er notfalls selbst welche. Also suchten wir. Wir liefen Wege mehrfach ab, durchsuchten Taschen, überlegten, wann wir den Schlüssel zuletzt gesehen hatten, suchten an Orten, an denen wir bereits gesucht hatten und suchten dort noch einmal. Je länger wir suchten, desto wichtiger schien dieser Schlüssel zu werden. Als hinge unser Glück davon ab.
Vielleicht kennst du das. Manchmal passiert uns das nicht nur mit Fahrradschlüsseln. Manchmal passiert es uns mit Beziehungen, mit Geld, mit beruflichen Zielen, mit Träumen. Wir werden so fixiert auf eine bestimmte Lösung, dass wir glauben, genau dieser Weg könne uns glücklich machen. Doch irgendwann waren wir erschöpft. Nicht wegen des Schlüssels., sondern wegen des Festhaltens.
Also taten wir das Einzige, was uns noch blieb. Wir ließen los. Nicht freiwillig, sondern resignierend. Der Schlüssel war weg. Vielleicht würden wir die Kaution verlieren. Vielleicht auch nicht. Wir konnten es nicht mehr ändern. Als unsere rationalen Möglichkeiten ausgeschöpft waren, baten wir das Universum uns dabei zu unterstützen und der innere Kampf hörte auf.
Wir ließen endlich los und konnten unsere volle Aufmerksamkeit dieser schönen Insel und unserer besonderen Freundschaft widmen und genossen einfach den Rest unseres Tages.
Als wir einige Stunden später wieder auf den Rädern saßen und den Rückweg ansteuerten, passierte etwas Unerwartetes. Plötzlich hörte ich eine Freundin meinen Namen rufen. Ihre Stimme war voller Aufregung. Einige Meter entfernt stand sie an einer kleinen, weißen Mauer und hielt etwas in die Höhe. Als ich näherkam, sah ich es. Einen Fahrradschlüssel! Mitten auf Formentera, ein einzelner Fahrradschlüssel. Einfach so. Als hätte das Leben ihn dort für uns abgelegt. Natürlich stieg sofort Hoffnung in uns auf. War das tatsächlich unser Schlüssel? Mit klopfendem Herzen probierten wir ihn aus. Und tatsächlich. Er passte in das Schloss. Für einen kurzen Augenblick konnten wir unser Glück kaum fassen. Dann kam die Überraschung. Der Schlüssel ließ sich nicht drehen. Er war nicht unser Schlüssel und genau hier wird die Geschichte interessant. Denn normalerweise hätte an dieser Stelle die Enttäuschung beginnen müssen. Tat sie aber nicht. Ganz im Gegenteil, denn uns wurde bewusst, dass das Universum in der kürze der Zeit für uns eine geniale Lösung kreiert hatte. Tada! Wir brauchten unseren verlorenen Schlüssel gar nicht mehr. Wir standen kurz vor der Rückgabe der Fahrräder. Nun hielten wir einen Schlüssel in der Hand, der nahezu identisch aussah und in das Fahrradschloss passte und genau das genügte.
Wir konnten die Fahrräder problemlos zurückgeben und erhielten unsere Kaution zurück. Als wir später zusammensaßen, mussten wir lachen. Nicht über den Schlüssel, sondern über uns selbst. Über unseren menschlichen Verstand. Über diese liebenswerte Eigenschaft glauben zu wissen, wie sich ein Problem lösen muss, wie sich ein Wunsch erfüllen muss und wie das Leben zu funktionieren hat. Bitte versteht mich nicht falsch, ich glaube stark an ein selbstbestimmtes Leben und unsere Fähigkeit Dinge im Leben zu erschaffen/ zu kreieren. Hierbei geht es jedoch darum, wenn alles menschenmögliche getan ist und es so aussieht, als ob das gewünschte Ziel nicht in Erfüllung geht, still zu werden, loszulassen und dem Universum zu erlauben für uns tätig zu werden. Das Universum ist kreativer, weiser, verspielter, größer und manchmal humorvoller als unser Verstand.
Wir wollten unseren verlorenen Schlüssel zurück. Das Universum schenkte uns stattdessen eine andere Lösung. Nicht die erwartete, aber die passende.
Und vielleicht ist genau das eine der wichtigsten Lektionen überhaupt. Wir senden einen Wunsch aus und beginnen sofort uns auszumalen, wie er erfüllt werden soll. Soweit so gut. Doch während wir auf unsere Version warten, arbeitet das Leben oft längst an einer anderen Lösung, an die wir niemals gedacht hätten. An einer, die vielleicht sogar besser ist. Vielleicht liegt wahres Vertrauen deshalb nicht darin zu glauben, dass alles genauso geschieht, wie wir es geplant haben. Vielleicht bedeutet Vertrauen, offen zu bleiben, Empfangsbereit zu sein. Bereit, die Antwort auch dann zu erkennen, wenn sie in einer völlig anderen Verpackung daherkommt.
Denn manchmal erfüllt sich ein Wunsch nicht so, wie wir ihn bestellt haben, sondern so, wie wir ihn wirklich brauchen. Manchmal stelle ich mir vor, wie das Universum unseren Plänen lauscht und sich denkt:
„Warte nur ab. Ich habe da noch eine bessere Idee.“ ❤️


